Namibia im Zeitalter des Massentourismus
Namibia ist mit seinen rund 1,6 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von 824 292 km2 ein einsames Land - so wird es in den
gängigen Reiseführen oftmals dargestellt. Eine Oase für zivilisations- geschädigte Mitbürger. Falsch ist die Aussage sicher nicht,
es kommt nur darauf an, zu welcher Zeit man sich wo in diesem Land aufhält. Was sich allabendlich in der Hochsaison im Etosha
Park abspielt (hier scheint das ganze Jahr über Hochsaison zu sein) hat wirklich nichts mit mehr mit Ruhe und Abgeschiedenheit zu
tun. Abends endlose Schlangen an der Rezeption, genervtes Personal, am Morgen danach Autostau im Camp bevor das Tor geöffnet wird und
tagsüber Gedränge an den besten Wasserlöchern. Dazwischen viel Dreck und Staub und das Gehetze von Wasserloch zu Wasserloch
um ja nichts zu verpassen. Man sollte auf jeden Fall ein großer Liebhaber des African Wildlife sein, um das
wirklich toll zu finden.
Weiter im Süden in den Dünen des Sossusvlei sieht es auch nicht viel besser aus. Morgens früh um 6 Uhr warten am Tor.
Anschließend Highspeed (es sind ja nur 60 km/h erlaubt, aber egal) Richtung Düne 45. Düne 45 in der Menschenmasse hochhetzen
um ja einen guten Platz zu ergattern und den dann wohl nicht mehr so romantischen Sonnenaufgang zu beobachten. Eigentlich
ist es ja ätzend im Urlaub schon um 5 Uhr in der Frühe aufzustehen, aber wenn das im Reiseführer so drin steht...
Der Massentourismus ist längst im südlichen Afrika angekommen, wenn auch auf höherem Niveau.
Dem Andrang im Etosha Park kann man nicht entgehen, außer man lässt den Park links liegen. Da es in Namibia zum Etosha-Park
kaum Alternativen gibt, bleibt einem nichts übrig als sich ins Gedränge zu stürzen. Zu unserer Reisezeit im Juni war es zum
Glück nicht so schlimm, dass wie lt. Reiseführer beschrieben, eine riesige Staubwolke über dem Park aufstieg - meistens mussten
wir nur den Staub vom vorrausfahrenden Fahrzeug schlucken.
In Sossusvlei hat man dagegen sehr wohl andere Möglichkeiten, den Tag zu bestreiten. Wir haben uns schon im Vorfeld bewusst
gegen die Massenkeilerei frühmorgens an den Dünen entschieden. Wir fuhren gegen 10 Uhr vom nicht sehr komfortablen Campingplatz
los, schossen Fotos von allen möglichen Dünen und kamen erst gegen Mittag im Vlei an. Auf dem Weg ins Vlei waren wir fast
alleine auf der Strasse unterwegs, die Ersten vom morgen kamen uns schon wieder entgegen. Tagsüber besichtigen wir Sossusvlei
und Deadvlei. Am späten Nachmittag im schönsten Abendlich fuhren wir an den Dünen vorbei Richtung Sesriem. Begeistert von der
überwältigten Schönheit der Landschaft starteten wir am nächsten Morgen noch zu einer zweite Fotosession in die Dünen, bevor
wir Richtung Swakopmund aufbrachen.
Zum Glück geht es in den restlichen Landesteilen meist ruhiger zu. Sehr einsam und damit auch erholsam ist es z.B. am Brukkaros,
einem eingestürtzten Vulkan entlang der Straße Windhoek - Keetmanshoop. Es gibt hervorragende Wandermöglichkeiten, wir waren
die Einzigsten vor Ort. Fast alleine unterwegs waren wir auch auf dem Welwitschia Trail (1500 Jahre alte Pflanzen), im
Naukluft-Park und an der Vingerklip. Auch die Städte Lüderitz und Swakopmund sowie der Köcherbaumwald bei Keetmanshoop
waren nicht überlaufen. Im Giant's Playground irrten wir gar über eine Stunde einsam umher, weil wir den Ausgang nicht
wiederfanden.
Empfehlenswert für Erholungssuchende sind auch die vielen privaten Gästefarmen verteilt im Landesinnern. Selten sind alle
Zimmer ausgebucht, es gibt eine Art "persönliche Betreuung", Sundownerfahrten über das landschaftlich oft schön gelegenen
Farmgelände runden das Angebot ab. Besonders hervorzuheben ist hier die Otjitotongwe Cheetah Guestfarm. Diese hat sich den
Schutz der Geparden in Namibia zum Ziel gesetzt und hegt und pflegt die Tiere im großzügigen Freigelände. Neben den wilden
gibt es 5 zahme Geparden, die man unter Aufsicht streicheln kann.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten sich seinen Namibia-Urlaub erlebnisreich zu gestalten. Ratsam ist es auch hin und wieder
abseits der gängigen Touristen-Hotspots Erholung zu suchen, denn ob das offiziell angepriesene Reiseführer-Hightlight auch das
persönliche Erlebnis-Highlight wird, ist nicht sicher.
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